Auswertungen

 

Um aus den von Probanden betrachteten Diagrammen und Tabellen auch Rückschlüsse ziehen zu können, müssen deren Blickverläufe nach den Aufzeichnungen ausgewertet werden. Dafür müssen die aufgenommen Blickverläufe näher betrachtet werden. Für die Auswertung der Ergebnisse des Eye Trackings gibt es verschiedenste Möglichkeiten: 

Scanpath-Analysen

Mittels Scanpath-Analysen werden die Blickverläufe einer einzelnen Person dargestellt und somit auch die Qualität der Darstellungen sichtbar gemacht. Bei der Analyse ist ersichtlich, dass der Proband sehr lange benötigt und viele Blicke tätigt, um Informationen aus der Darstellung zu erhalten (Ø Betrachtungszeit: 28 Sek). Dabei müssen alle größeren Kreissegmente miteinander verglichen und gleichzeitig die Abweichung berechnet werden. Anschließend müssen die sehr ähnlichen Farben richtig zugeordnet werden. Damit erhöht man nicht nur den Zeitbedarf, sondern öffnet auch mehr Raum für Fehler (Fehlerquote: 45%). Es sind also sehr viele Fixationen und Sakkaden notwendig, was durch die Aufzeichnung des Scanpaths ersichtlich wird.


Heat- bzw. Focusmaps

Bei Heat- bzw. Focusmaps analysieren nicht das Verhalten einer einzelnen Person. Vielmehr wird untersucht, wohin die aggregierte Gesamtheit der Leser ihre Aufmerksamkeit richtet. Der Unterschied in den beiden Darstellungen liegt in der Farbgebung. Während bei Focusmaps die Darstellung in Schwarz-Weiß gezeigt wird, benützen Heatmaps Farben zur Darstellung. Je stärker die Gruppe der Probanden gewisse Bereiche betrachten desto heller wird die Stelle (Focusmap) bzw. desto stärker wird diese in Rot eingefärbt (Heatmap). Mit diesen Auswertungen kann man neben den am stärksten betrachteten Bereichen auch sogenannte „Blinde Flecken“ eines Berichts identifizieren. 


Fundierte Detailanalyse

Die fundierte Detailanalyse durch unser Forschungsteam erfolgt schlussendlich mit Hilfe von Statistikprogrammen, in die das gesamte Datenset aus der Eye Tracking-Analyse aller Teilnehmer (d.h. jeder einzelne Blick!) eingespielt wird. Um die bestmögliche Darstellung ausfindig zu machen werden mehrere Gestaltungsalternativen miteinander verglichen. Dazu folgendes Beispiel:

Finden der besten Alternative – ein konkretes Beispiel

Durch verbessertes Reporting Design können sowohl Effektivität als auch Effizienz im Berichtswesen messbar gesteigert werden. Um diese Effekte quantifizieren zu können, werden in Auftragsprojekten mit Unternehmen zunächst die bisher verwendeten Diagramme und Tabellen inhaltlich hinterfragt und nach bisher gewonnenen Erkenntnissen verbessert. Dadurch entstehen alternative Darstellungsmöglichkeiten, welche einem objektiven Test unterzogen werden. Im Idealfall kann eine alternative Darstellung ausfindig gemacht werden, welche sowohl eine kürzere Wahrnehmungszeit als auch eine höhere Effektivität mit sich bringt.

Eine solche deutlich bessere Alternative ist hier abgebildet:

Diese alternative Darstellungsform zeigt ein Balken- und ein Abweichungsdiagramm kombiniert in einer Darstellung (anstatt der beiden vorher verwendeten Tortendiagramme), in dem die Bundesländer nach absteigender Größe des operativen Ergebnisses angeordnet sind. Außerdem besitzt das Diagramm eine direkte Beschriftung der Datenreihen, wodurch die relevanten Informationen mit nur wenigen Blicken schnell erfasst werden können (Ø Betrachtungszeit: 7 Sek). Zudem werden Fehlinterpretationen verringert oder im optimalen Fall sogar gänzlich vermieden (Fehlerquote: 0%).

 

Die Auswertungen und der direkte Vergleich zwischen Torten- und Balkendiagrammen zeigen somit deutlich, wie durch den verbesserten Einsatz von Tabellen und Diagrammen im Zusammenhang mit Reporting Design Verbesserungen sowohl in der Effektivität als auch in der Effizienz erreicht werden können.


Auswertungen in Bezug auf Effektivität und Effizienz

Damit die Designvarianten speziell auf die Bedürfnisse der Berichtsempfänger abgestimmt wird, ist es von Vorteil den Test mit der Empfängergruppe durchzuführen. Für die Optimierung wird jeweils der Originalbericht und eine oder mehrere Gestaltungsalternativen verglichen. Durch den Einsatz von Eye Tracking kann das Leseverhalten der Berichtsempfänger analysiert werden um als Ergebnis die bestmögliche Darstellung einzelner Berichtsseiten abzuleiten. Eine Anpassung der getesteten Alternativen und Originalseiten nach den Tests ist dabei notwendig, um alle gewonnenen Erkenntnisse einzuarbeiten und ein einheitliches Gestaltungskonzept für das Berichtswesen sicherzustellen.

 

Wie das Ergebnis eines Tests aussehen kann, kann nachstehenden Abbildungen entnommen werden.

Aus den Ergebnissen kann abgeleitet werden, dass in den meisten Fällen eine alternative Versionbesser geeignet ist.  Diese sollte nach den Grundprinzipien gestaltet und auf die zentrale Botschaft abgestimmt sein. Anzumerken ist zusätzlich, dass die ursprünglichen Berichtsseiten einen Gewöhnungseffekt beinhalten und damit nochmals deutlich zum Ausdruck bringen, wie wichtig eine gute Aufbereitung für ein Berichtswesen sind. Im Durchschnitt können deutliche Effizienzvorteile erzielt werden, aber noch wichtiger, es können deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Effektivität festgestellt werden. Man beachte die geringe Effektivität mancher Unternehmensberichte. In vielen Fällen erreicht die Antwortrichtigkeit gerade einmal zwischen 40% und 60%, wobei diese in Extremfällen auch rund um 10 % liegen kann.


Auswertung Empfängergruppen

Die Auswirkungen auf Entscheidungen sind dabei deutlich hervorzuheben. Informationen richtig aus den einzelnen Berichtsseiten zu entnehmen ist von höchster Relevanz um keine falschen Entscheidungen zu treffen.

 

Die Auswertung der Ergebnisse kann auch auf spezifische User-Gruppen ausgerichtet werden. Häufige Vergleiche sind: Männer vs. Frauen, Führungsebene vs. Mitarbeiter, Mitarbeiter aus dem Bereich Vertrieb vs. Mitarbeiter aus dem Bereich Finanzen etc. Wie ein solcher Vergleich aussehen kann, kann links der Abbildung entnommen werden.

 

In der Auswertung unterschiedlicher Testgruppen wird immer wieder deutlich, dass es keine „One Size Fits All“-Lösungen gibt. Unternehmensspezifische Voraussetzungen, Wahrnehmungsunterschiede zwischen Personen und Personengruppen, Restriktionen durch eingesetzte Softwareprodukte und Unterschiede im Datengerüst verlangen nach einer situativen Anpassung der verwendeten Diagramme und Tabellen.